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Ausgabe vom 06.09.2010
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„Es ist ein bisschen wie Kinder kriegen“ PDF Drucken E-Mail

Frieder Wittich, Regisseur des aktuell in den Kinos laufenden Films „13 Semester“ sprach mit Redakteuren der Jugendpresse Hessen darüber, wie es zu dem Film kam, wo es ihm in Darmstadt am besten gefällt und warum er kein Lebensmotto hat.

„Der Film ist für Leute, die schon studiert haben, die es gerade tun und die es tun werden“, so bewirbt der Jungregisseur seinen ersten Film.


Interview mit Frieder Wittich, dem Regisseur von „13 Semester“


Jugendpresse Hessen: Um was geht es zusammengefasst in dem Film?

Frieder Wittich: Es ist der erste deutsche Film, der vom Studieren handelt. Moritz Folz studiert 6 ½ Jahre Wirtschaftsmathe in Darmstadt, es geht in dem Film um Liebe, Freundschaft und Sinnkrisen während des Studiums. Es geht ums wirkliche Studentenleben.


JPH: Wie kamst du auf die Idee zu „13 Semester“?

Wittch: Die Idee entstand durch Oliver Ziegenbalg, den Drehbuchautor, der mal Wirtschaftsmathe studiert hat und heute aber was ganz anderes macht. Darum geht’s auch in dem Film. Die Frage: „Was studier ich da eigentlich, ist das wirklich das, mit dem ich bis zum Ende meines Lebens zu tun haben will? Ist das das Richtige?“ Es geht darum, dass man sich mit 19-20 Jahren für ein Studium entscheidet und vielleicht zwischendrinn merkt, uppps, passt nicht. Manche haben Glück und es passt, andere brechen ab, wieder andere machen es fertig und danach was anderes. Es geht darum, dass ich rausfinde, was ich wirklich machen will, nicht dass ich am Ende ein Leben lang irgendwas mache, auf dass ich gar keinen Bock hab, da mach ich lieber was anderes, was mir Spaß macht, da bin ich dann doch auch automatisch besser. Dann bekomm ich Bestätigung und werde vielleicht noch besser...


JPH: Wie kamst du dazu Regisseur zu werden?

Wittich: Ich wollte unbedingt Filme machen und Geschichten erzählen, letztendlich macht mir das einen Riesenspaß, ich glaub, ich hab das Richtige studiert.


JPH: Wie kam es zu Darmstadt als Drehort?

Wittch: Wir hatten den HR als Kooperationspartner, Twenty Century Fox mit Sitz in Frankfurt, den Hessischen Filmverleih, die Partner waren aus Hessen. Aber es sollte auch keine Großstadt, sondern eine Studentenstadt sein, da, wo sich alles ums Studium dreht.

Wir sind ein Jahr vor dem Dreh nach Darmstadt gefahren und haben geschaut, ob es passt und es sollte möglich sein Architektur und Wirtschaftsmathe zu studieren, geht ja auch nicht überall.

Der Wogsee hat uns sehr gut gefallen und das Unigelände, nicht nur das Audimax, sondern auch die Architekturfakultät.

Wir sind sehr happy über die Entscheidung.


JPH: Was war dein liebster Ort in Darmstadt?

Wittich: Der Wogsee mitten in der Stadt war schon sehr klasse, das hab ich vorher auch noch nicht gesehen, mit dem Schwimmbadteil und dem Sprungturm. Die Schauspieler haben sich sehr tapfer geschlagen, es war eisekalt und sie mussten dann dort oben sitzen und dann auch noch ins Wasser springen.


Wie seid ihr auf eure Aswin- Besetzung gekommen?

Wittich: Amid zu finden war recht schwer, denn so viele deutsche Schauspieler, die Inder sind, gibt es halt nicht. Ich mach nebenbei auch noch Werbung, da arbeite ich oft mit englischen Schauspielern und kannte jemanden, der mir geholfen hat. Wir haben da gecastet und da war Amid. Amid ist einfach Aswin.


JPH: Die Filmmusik „Anti Anti“ ist von Bonaparte, wie kam es dazu?

Wittich: Ich hab die Band 2007 für mich in Berlin entdeckt, ich war da mit ner Freundin- da waren 50 Leute- in ner kleinen Kulturbrauerei, wir wollten grad gehen, da kamen Bonaparte rein in den Kostümen, da dachte ich, hey, da warte ich noch nen Moment. Ich hab dann gleich Ziegenbalg angerufen und hab gesagt, die müssen in den Film und es war echt komisch sich dann zu überwinden und da hinzugehen und zu sagen, hey, ich bin Regisseur, mache nen Film, habt ihr Lust da mitzuspielen?

Bonaparte waren dann auf Tour, haben ein Konzert für uns abgesagt und echt gespielt. Ich mag die Musik total gerne, ich bin ein richtiger Fan.


JPH: Was ist deine Lieblingslocation an der Darmstädter Uni?

Wittich: Das Audimax ist ne tolle Lokalität, sehr fotogen, da kann man echt toll drehen. Ich hab da vorher einige schlaflose Nächte verbracht: Was machen wir, wenn da nur 40-50 Leute kommen? hoffentlich war das keine falsche Entscheidung! Dann war der Tag da, ein Darsteller war krank und wir mussten diese so lange geplante Szene absagen. Leute hatten das im Radio gehört, wir konnten nicht mal persönlich absagen. Die Nacht vor dem neuen Audimaxdreh war noch schlimmer, ich lag da im Bett und hatte Angst, dass all die Leute, die vielleicht beim ersten Mal gekommen wären, jetzt nicht noch ein mal kommen würden. Am nächsten Tag bin ich dann dort hin gefahren, wir biegen um die Ecke und ich werde es nicht vergessen, die Bude war voll, ich hab echt einen Freudenschrei losgelassen. Da haben wirklich alle an einem Strang gezogen. Die Presse, die Uni, die Studenten und unser Team.


JPH: Warum hört man den hessischen Dialekt so stark im Film heraus?

Wittich: Ich bin ein großer Freund von „Lokalkolorit“ in Filmen, das ist in amerikanischen Filmen, da hört man, ob einer von der East Coast oder aus Kentucky kommt. Es muss ja nicht immer alles so „Tagesschaudeutsch“ sein, das ist künstlich. Es sind ja auch nicht alle, sondern eher einige Nebenfiguren.


JPH: Hast du Tipps zum Weggehen in Darmstadt als Student?

Wittich: Ich war ja leider nur Tourist, aber die Zeit, die ich da war, sind wir oft lustig ausgegangen. Ich mochte auf jeden Fall das 603QM, der Studentenkeller ist echt speziell, da hab ich auch ne tolle Band gesehen, zum Tischkickern kann man super in die Krone gehen, echtes Orginal.


JPH: Wie fühlt es sich an, wenn der erste, eigene Film im Kino läuft?

Wittich: Das ist ein tolles Gefühl, das kennt jeder Student, man hat viel Zeit und Herz investiert, dann gibt man es ab und es ist ne totale Erleichterung. Ich wollte es gerade damit vergleichen, dass es ist wie ein Kind zu kriegen, aber der Vergleich hinkt wohl doch, das ist wohl doch tausend mal toller, aber es ist irgendwo zwischen 'ner Diplomarbeit und nem Kind.


JPH: Weitere Projekte?

Wittich: Gerade schreibe ich mit Oliver Ziegenbalg am zweiten Drehbuch, eine Romanverfilmung „Beck's letzter Sommer“.


JPH: Wie fühlt man sich- wie in der Audimaxszene- vor 700 Leuten zu stehen?

Wittich: Ich war da wahnsinnig erleichtert, ich war aufgeregt und nervös, man spricht ja nicht jeden Tag vor 700 Leuten, und all unsre Schauspieler waren da und die Komparsen und ein Kran und ein Zeitlimit, das war echt Druck.

Aber in dem Moment hat man den totalen Tunnelblick, da muss man sich total konzentrieren, um alles zu schaffen.

Jetzt seh ich mich auf dem blog, den wir für den Film eingerichtet haben und denke mir, wie rede ich denn da?


JPH: Im Film gibt es das Motto „The early bird catches the worm“, was ist dein Lebensmotto?

Wittich: Das ist ja richtig philosophisch. Ich möchte mich ungern auf ein Lebensmotto festlegen, ich will schöne Filme drehen, das Leben genießen. Es gibt so viele schöne Dinge und irgendwie nicht nur eine Regel, die alles zusammenfasst, um danach zu leben, jedenfalls für mich nicht.


JPH: In einer Szene schneit es, aber laut blog habt ihr die im Mai gedreht?

Wittich: Schneeszenen sind wahnsinnig aufwendig, nicht nur das Beschneien an sich, viel mehr muss das ja alles wieder weggeräumt werden. Das kostet auch ein bisschen Geld, da muss man sehr konzentriert sein.

Im Drehbuch steht: Es fängt an zu schneien. Das sind fünf Worte, aber dann stehst du da zwei Jahre später vor dem Waschsalon und es fängt wirklich an zu schneien. Wenn eine Vision umgesetzt und dreidimensional wird, ist das ein wahnsinniges Gefühl.


JPH: Wie seid ihr auf das „Brüstememorie“ gekommen?

Wittich: Das Brustmemorie gibt es wirklich und 'ne gute Freundin hat mir das mal zum Geburtstag geschenkt. Wir haben uns überlegt, was könnten Momo und Bernd machen, während sie an der Tankstelle sitzen.


JPH: Welche ist deine Lieblingsfigur?

Wittich: Ich mag alle Figuren. Das ist wie, wenn du eine Mutter fragst, welches ihrer fünf Kinder, ihr Lieblingskind sei.


JPH: Warum sollte man sich den Film anschauen- in drei Sätzen?

Wittich: Man sollte sich den Film anschauen, um, wenn man gerade studiert, Dinge wiederzuentdecken, die man selbst erlebt, um froh zu sein, dass es bei einem selbst vielleicht nicht ganz so krass ist.

Leute, die studiert haben, sollten den Film schauen, weil sie so nen „Flashback“ in die Vergangenheit kriegen und viele Dinge entdecken, die sie selbst auch erlebt haben.

Und Leute, die kurz vorm Studium stehen, sollten den Film gucken, weil sie dann sehen können, wow, da bin ich auch in 2-3 Jahren.

Es ist glaube ich ein unterhaltsamer Vorgeschmak, auf das, was auf sie zukommt.


JPH: Vielen Dank für das Gespräch!


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Autorin: Nele Balser

Vorstandsmitglied der Jugendpresse Hessen e.V.

arbeitet seit acht Jahren in einer Schülerzeitung, mittlerweile als Chefredakteurin.

Sie arbeitet als freie Autorin für das Jugendmagazin „JUST“ und andere Veranstaltungszeitung.

Kontakt: n [punkt] balser [at] jugendpresse [minus] hessen [punkt] de


 
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