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Frieder Wittich, Regisseur des aktuell
in den Kinos laufenden Films „13 Semester“ sprach mit Redakteuren
der Jugendpresse Hessen darüber, wie es zu dem Film kam, wo es ihm
in Darmstadt am besten gefällt und warum er kein Lebensmotto hat.
„Der Film ist für Leute, die schon
studiert haben, die es gerade tun und die es tun werden“, so
bewirbt der Jungregisseur seinen ersten Film.
Interview mit Frieder Wittich, dem
Regisseur von „13 Semester“
Jugendpresse Hessen: Um was geht es
zusammengefasst in dem Film?
Frieder Wittich: Es ist der erste
deutsche Film, der vom Studieren handelt. Moritz Folz studiert 6 ½
Jahre Wirtschaftsmathe in Darmstadt, es geht in dem Film um Liebe,
Freundschaft und Sinnkrisen während des Studiums. Es geht ums
wirkliche Studentenleben.
JPH: Wie kamst du auf die Idee zu „13
Semester“?
Wittch: Die Idee entstand durch Oliver
Ziegenbalg, den Drehbuchautor, der mal Wirtschaftsmathe studiert hat
und heute aber was ganz anderes macht. Darum geht’s auch in dem
Film. Die Frage: „Was studier ich da eigentlich, ist das wirklich
das, mit dem ich bis zum Ende meines Lebens zu tun haben will? Ist
das das Richtige?“ Es geht darum, dass man sich mit 19-20 Jahren
für ein Studium entscheidet und vielleicht zwischendrinn merkt,
uppps, passt nicht. Manche haben Glück und es passt, andere brechen
ab, wieder andere machen es fertig und danach was anderes. Es geht
darum, dass ich rausfinde, was ich wirklich machen will, nicht dass
ich am Ende ein Leben lang irgendwas mache, auf dass ich gar keinen
Bock hab, da mach ich lieber was anderes, was mir Spaß macht, da bin
ich dann doch auch automatisch besser. Dann bekomm ich Bestätigung
und werde vielleicht noch besser...
JPH: Wie kamst du dazu Regisseur zu
werden?
Wittich: Ich wollte unbedingt Filme
machen und Geschichten erzählen, letztendlich macht mir das einen
Riesenspaß, ich glaub, ich hab das Richtige studiert.
JPH: Wie kam es zu Darmstadt als
Drehort?
Wittch: Wir hatten den HR als
Kooperationspartner, Twenty Century Fox mit Sitz in Frankfurt, den
Hessischen Filmverleih, die Partner waren aus Hessen. Aber es sollte
auch keine Großstadt, sondern eine Studentenstadt sein, da, wo sich
alles ums Studium dreht.
Wir sind ein Jahr vor dem Dreh nach
Darmstadt gefahren und haben geschaut, ob es passt und es sollte
möglich sein Architektur und Wirtschaftsmathe zu studieren, geht ja
auch nicht überall.
Der Wogsee hat uns sehr gut gefallen
und das Unigelände, nicht nur das Audimax, sondern auch die
Architekturfakultät.
Wir sind sehr happy über die
Entscheidung.
JPH: Was war dein liebster Ort in
Darmstadt?
Wittich: Der Wogsee mitten in der Stadt
war schon sehr klasse, das hab ich vorher auch noch nicht gesehen,
mit dem Schwimmbadteil und dem Sprungturm. Die Schauspieler haben
sich sehr tapfer geschlagen, es war eisekalt und sie mussten dann
dort oben sitzen und dann auch noch ins Wasser springen.
Wie seid ihr auf eure Aswin- Besetzung
gekommen?
Wittich: Amid zu finden war recht
schwer, denn so viele deutsche Schauspieler, die Inder sind, gibt es
halt nicht. Ich mach nebenbei auch noch Werbung, da arbeite ich oft
mit englischen Schauspielern und kannte jemanden, der mir geholfen
hat. Wir haben da gecastet und da war Amid. Amid ist einfach Aswin.
JPH: Die Filmmusik „Anti Anti“ ist
von Bonaparte, wie kam es dazu?
Wittich: Ich hab die Band 2007 für
mich in Berlin entdeckt, ich war da mit ner Freundin- da waren 50
Leute- in ner kleinen Kulturbrauerei, wir wollten grad gehen, da
kamen Bonaparte rein in den Kostümen, da dachte ich, hey, da warte
ich noch nen Moment. Ich hab dann gleich Ziegenbalg angerufen und hab
gesagt, die müssen in den Film und es war echt komisch sich dann zu
überwinden und da hinzugehen und zu sagen, hey, ich bin Regisseur,
mache nen Film, habt ihr Lust da mitzuspielen?
Bonaparte waren dann auf Tour, haben
ein Konzert für uns abgesagt und echt gespielt. Ich mag die Musik
total gerne, ich bin ein richtiger Fan.
JPH: Was ist deine Lieblingslocation an
der Darmstädter Uni?
Wittich: Das Audimax ist ne tolle
Lokalität, sehr fotogen, da kann man echt toll drehen. Ich hab da
vorher einige schlaflose Nächte verbracht: Was machen wir, wenn da
nur 40-50 Leute kommen? hoffentlich war das keine falsche
Entscheidung! Dann war der Tag da, ein Darsteller war krank und wir
mussten diese so lange geplante Szene absagen. Leute hatten das im
Radio gehört, wir konnten nicht mal persönlich absagen. Die Nacht
vor dem neuen Audimaxdreh war noch schlimmer, ich lag da im Bett und
hatte Angst, dass all die Leute, die vielleicht beim ersten Mal
gekommen wären, jetzt nicht noch ein mal kommen würden. Am nächsten
Tag bin ich dann dort hin gefahren, wir biegen um die Ecke und ich
werde es nicht vergessen, die Bude war voll, ich hab echt einen
Freudenschrei losgelassen. Da haben wirklich alle an einem Strang
gezogen. Die Presse, die Uni, die Studenten und unser Team.
JPH: Warum hört man den hessischen
Dialekt so stark im Film heraus?
Wittich: Ich bin ein großer Freund von
„Lokalkolorit“ in Filmen, das ist in amerikanischen Filmen, da
hört man, ob einer von der East Coast oder aus Kentucky kommt. Es
muss ja nicht immer alles so „Tagesschaudeutsch“ sein, das ist
künstlich. Es sind ja auch nicht alle, sondern eher einige
Nebenfiguren.
JPH: Hast du Tipps zum Weggehen in
Darmstadt als Student?
Wittich: Ich war ja leider nur Tourist,
aber die Zeit, die ich da war, sind wir oft lustig ausgegangen. Ich
mochte auf jeden Fall das 603QM, der Studentenkeller ist echt
speziell, da hab ich auch ne tolle Band gesehen, zum Tischkickern
kann man super in die Krone gehen, echtes Orginal.
JPH: Wie fühlt es sich an, wenn der
erste, eigene Film im Kino läuft?
Wittich: Das ist ein tolles Gefühl,
das kennt jeder Student, man hat viel Zeit und Herz investiert, dann
gibt man es ab und es ist ne totale Erleichterung. Ich wollte es
gerade damit vergleichen, dass es ist wie ein Kind zu kriegen, aber
der Vergleich hinkt wohl doch, das ist wohl doch tausend mal toller,
aber es ist irgendwo zwischen 'ner Diplomarbeit und nem Kind.
JPH: Weitere Projekte?
Wittich: Gerade schreibe ich mit Oliver
Ziegenbalg am zweiten Drehbuch, eine Romanverfilmung „Beck's
letzter Sommer“.
JPH: Wie fühlt man sich- wie in der
Audimaxszene- vor 700 Leuten zu stehen?
Wittich: Ich war da wahnsinnig
erleichtert, ich war aufgeregt und nervös, man spricht ja nicht
jeden Tag vor 700 Leuten, und all unsre Schauspieler waren da und die
Komparsen und ein Kran und ein Zeitlimit, das war echt Druck.
Aber in dem Moment hat man den totalen
Tunnelblick, da muss man sich total konzentrieren, um alles zu
schaffen.
Jetzt seh ich mich auf dem blog, den
wir für den Film eingerichtet haben und denke mir, wie rede ich denn
da?
JPH: Im Film gibt es das Motto „The
early bird catches the worm“, was ist dein Lebensmotto?
Wittich: Das ist ja richtig
philosophisch. Ich möchte mich ungern auf ein Lebensmotto festlegen,
ich will schöne Filme drehen, das Leben genießen. Es gibt so viele
schöne Dinge und irgendwie nicht nur eine Regel, die alles
zusammenfasst, um danach zu leben, jedenfalls für mich nicht.
JPH: In einer Szene schneit es, aber
laut blog habt ihr die im Mai gedreht?
Wittich: Schneeszenen sind wahnsinnig
aufwendig, nicht nur das Beschneien an sich, viel mehr muss das ja
alles wieder weggeräumt werden. Das kostet auch ein bisschen Geld,
da muss man sehr konzentriert sein.
Im Drehbuch steht: Es fängt an zu
schneien. Das sind fünf Worte, aber dann stehst du da zwei Jahre
später vor dem Waschsalon und es fängt wirklich an zu schneien.
Wenn eine Vision umgesetzt und dreidimensional wird, ist das ein
wahnsinniges Gefühl.
JPH: Wie seid ihr auf das
„Brüstememorie“ gekommen?
Wittich: Das Brustmemorie gibt es
wirklich und 'ne gute Freundin hat mir das mal zum Geburtstag
geschenkt. Wir haben uns überlegt, was könnten Momo und Bernd
machen, während sie an der Tankstelle sitzen.
JPH: Welche ist deine Lieblingsfigur?
Wittich: Ich mag alle Figuren. Das ist
wie, wenn du eine Mutter fragst, welches ihrer fünf Kinder, ihr
Lieblingskind sei.
JPH: Warum sollte man sich den Film
anschauen- in drei Sätzen?
Wittich: Man sollte sich den Film
anschauen, um, wenn man gerade studiert, Dinge wiederzuentdecken, die
man selbst erlebt, um froh zu sein, dass es bei einem selbst
vielleicht nicht ganz so krass ist.
Leute, die studiert haben, sollten den
Film schauen, weil sie so nen „Flashback“ in die Vergangenheit
kriegen und viele Dinge entdecken, die sie selbst auch erlebt haben.
Und Leute, die kurz vorm Studium
stehen, sollten den Film gucken, weil sie dann sehen können, wow, da
bin ich auch in 2-3 Jahren.
Es ist glaube ich ein unterhaltsamer
Vorgeschmak, auf das, was auf sie zukommt.
JPH: Vielen Dank für das Gespräch!
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Autorin: Nele Balser
Vorstandsmitglied der Jugendpresse
Hessen e.V.
arbeitet seit acht Jahren in einer
Schülerzeitung, mittlerweile als Chefredakteurin.
Sie arbeitet als freie Autorin für das
Jugendmagazin „JUST“ und andere Veranstaltungszeitung.
Kontakt: n [punkt] balser [at] jugendpresse [minus] hessen [punkt] de
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