Unabhängiger Verband junger
Medienmacher in Hessen


Ausgabe vom 10.09.2010
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"Komplizierter als 3D-Schach" - Seminar zum Kampf ums Weiße Haus PDF Drucken E-Mail
„Der US-Wahlkampf 2008 ist so interessant wie American Football und komplizierter als dreidimensionales Schach“, erklärt Dr. Andrew Denison. Da ist es nur logisch, dass das diesjährige Amerika-Seminar unter dem Motto „Wie keine Wahl zuvor“ stand.

Sechzehn Jugendliche lauschten den Vorträgen der vier Referenten, zu denen neben Denison auch Florian Albert von der Uni Kassel und Ann Alquist gehörten. Die amerikanische Journalistin war bereits beim Vorgängerworkshop 2007 in Darmstadt dabei und zeigte, wie amerikanische Medien das Internet für sich entdeckt haben und welchen Einfluss das auf die Berichterstattung zum Präsidentschaftswahlkampf hat. „Wir befinden uns in der Wild-West-Zeit des Internets“, lautet ihr Fazit: Klassische Medien experimentieren mit den digitalen Möglichkeiten und Onlineplattformen wie YouTube nehmen aktiv an der Wahlkampfberichterstattung teil.

Zuvor hatte Florian Albert den Teilnehmern einen Überblick über das Regierungs- und Wahlsystem der USA im Vergleich mit Deutschland und anderen europäischen Staaten gegeben, der für die nötigen Vorkenntnisse sorgte.
Besonderen Eindruck hinterließ Mario Voigt, der den US-Wahlkampf 2004 als Beobachter der Konrad-Adenauer-Stiftung hautnah miterlebt hat: Er berichtete über „Microtargeting“, also die gezielte Wahlwerbung. Gezielt bedeutet in diesem Fall, dass zu jedem Wähler bis zu 300 Daten gesammelt werden, die neben Namen und Telefonnummer auch Informationen zu getätigten Einkäufen oder andere Details zum Lebensstil enthalten. Anhand dieser Daten werden die Wähler in Interessensgruppen eingeteilt und können so viel gezielter als bisher umworben werden. Für die an deutsche Datenschutzstandards gewohnten Teilnehmer war das schwer zu fassen.
Zu den Besonderheiten des Seminars, das die Jugendpresse in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und dem US-Generalkonsulat in Frankfurt durchführte, gehörte vor allem die Zweisprachigkeit. Zwei Referenten waren Amerikaner, die Vorträge wurden teils auf Deutsch und teils in Englisch gehalten, bei den anschließenden Diskussionen wechselte notfalls auch im Satz die Sprache. Zu Verständigungsproblemen kam es dabei aber nicht, was unter anderem den Deutschkenntnissen der beiden Referenten zu verdanken war.
Der vielleicht eindrucksvollste Teil der Veranstaltung kommt jedoch noch: Alle Teilnehmer sind zur Wahlnacht des US-Generalkonsulats eingeladen und werden den Ausgang der Präsidentschaftswahl am 4. November live miterleben.